BANDMASCHINENMUSEUM

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TEAC F-1 - "DIE SCHWARZE FEE"

von Wolfgang Papenbrock

"Ja, es gibt sie wirklich! Und endlich ist sie da!", freut sich Bernd Schwenzfeier vom privaten Bandmaschinenmuseum in Berlin-Blankenburg. Eines der seltensten und technisch hochwertigsten HiFi-Tonbandgeräte, die weltweit jemals für dem Home-Bereich gebaut wurden, hat die lange Reise aus Japan nach Berlin gut überstanden.

Umfangreiche Recherchen zu diesem in Europa nahezu unbekannten Spitzenmodell der bekannten HiFi-Marke TEAC zogen sich über Jahre hin und gestalteten sich selbst vor Ort im Land der aufgehenden Sonne schwierig. Nur dank guter privater Kontakte gelang es dem engagierten Sammlerteam schließlich, eines der letzten Geheimnisse aus der goldenen Zeit der spektakulären Bandmaschinenentwicklungen Mitte der 70er Jahre in Japan zu lüften.

Als "Goldstaub" werden die mitgelieferten Originaldokumente gefeiert. Auch wenn Bedienungsanleitung und Service-Unterlagen nur in Japanisch vorliegen, lassen sich die wichtigsten technischen Angaben des Herstellers gut ablesen. Diese sind nicht nur für das Dokumenten-Archiv eine Bereicherung, sondern auch für die erfahrenen Werkstatt-Techniker eine wertvolle Hilfe bei Restauration und Wartungsservice.

Der erste Werkstatt-Check und gezielte Nachfragen in Japan sowie die Auswertung der originalen japanischen Unterlagen im Abgleich mit dem umfangreichen Fundus haben viel Interessantes und zum Teil sogar für Fachleute Erstaunliches ergeben.

Begutachtung in der Werkstatt

Das Gerät - Baujahr 1977 - ist in einem beeindruckend gepflegten Gesamtzustand:

- keinerlei Rost - keinerlei Schäden - keinerlei Abnutzung - keinerlei Gebrauchsspuren!
- nobelste Verarbeitung unter Verwendung robuster und materialintensiver Bauteile
- hochwertige und intelligente Lösungen im Bereich der Mechanik
- hochwertigste handverarbeitete Bauteile im Bereich der Elektronik
- lehrbuchreife Anordnung und Übersicht im Audiobereich
- diverse technische Innovationen und Weiterentwicklungen - nur einige Beispiele:

- modellspezifische schraubbare Präzisions-NAB-Adapter aus Metall;
- modellspezifische verschleißfreie Polyurethan-Andruckrollen;
- gekapselte Kurzhub-Funktionstasten;
- geniales mechanisch gedämpftes und elektronisch geregeltes Bandzugsystem;
- einzigartig schonende Bandführung;
- Doppelcapstan und 7 kugelgelagerte Umlenkrollen;
- riesiger Ringkerntrafo;
- eingebauter Testtongenerator mit 2 Frequenzen (1 KHz und 10 KHz);
- Gewicht der Steuer- und Transport-Einheit: 40 Kg - Gewicht der Audio-Einheit: 10 Kg;
- mit exakt 50 cm Breite schlägt die F-1 alle übrigen "Riesen" im Tape-Deck-Lager;
- kurz: feinste aber robuste Technik für die Ewigkeit (siehe Detail-Fotos);

Die Bandmaschine wurde erkennbar bereits vor einigen Jahren in Japan überholt, sodass aktuell lediglich wenige Wartungsarbeiten erforderlich sind: Reinigung und Schmierung der gesamten Mechanik, Überprüfung und ggf. Nachjustierung der Grund- und diversen Einstellfunktionen, Grundeinmessung auf aktuelle Bandsorte (MAXELL XL-1), Endreinigung mit Hochglanz-Finish sämtlicher Sichtflächen.

Fazit des Meisters

Eine hochwertigere 2-Spur-Maschine für den Heimbereich hat er bisher in fast 30 Jahren Tonbandwerkstatt nicht auf dem OP-Tisch gehabt!

Ergebnis der Archiv-Recherche

Offenbar sah das die Fachwelt 1978 ähnlich, denn trotz des stolzen Preises von 800.000 YEN erlangte die F-1 nach der Markteinführung im ersten Jahr den 3. Platz der Verkaufs-Charts mit 8,7 % Marktanteil (konkret 189 verkaufte Geräte). Im Jahr 1978 wurden nur die RS-1500 von Technics (12,4 % / 271 Stk.) und die DH-710F von DENON (10,6 % / 251) häufiger verkauft. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die RS-1500 mit “nur” 244.000 YEN und die DH-710F mit 439.000 YEN bedeutend preiswerter waren. Zum Vergleich muss man daher eher auf die Neuerscheinungen der Marke “Technics” von Matsushita und deren Verkaufszahlen im Jahr 1978 schauen:

Verkaufszahlen im Modellvergleich

Die RS-1700 (368.000 YEN) und die RS-1800 (950.000 YEN), die zeitgleich mit der F-1 im Herbst 1977 auf den Markt kamen, landeten weit abgeschlagen auf den Rängen 11 (RS-1700 mit 2,4 % Marktanteil / 53 Stk.) und 19 (RS-1800 mit 1,2 % / 27 Stk.). Alle drei Neugeräte waren zuvor in den einschlägigen japanischen HiFi-Fachmagazinen nebeneinander ausführlich vorgestellt, getestet und bewertet worden.

Die F-1 stellte 1977 den Höhepunkt der langjährigen Entwicklung bei TEAC im Home-Tape-Recorder-Bereich dar. Ähnlich wie in Deutschland bei VOLKSWAGEN beim Modell "Phaeton" wurden bei TEAC mit der F-1 alle langjährigen Erfahrungen mit den neuesten Entwicklungen in einem erklärten Spitzenmodell vereint. TEAC hat nie eine hochwertigere und teurere Bandmaschine für den Home-Bereich gebaut. Von der F-1 wurde nur eine 1. Serie mit ca. 500 Stück produziert. Man hört in Japan sogar Stimmen, die von einer Gesamtstückzahl von nur 300 Geräten ausgehen. Fest steht, dass die TEAC F-1 ab 1978 ausschließlich in Japan verkauft wurde. Laut Statistik wurden im Jahr 1982 die letzten zwei Geräte verkauft, nachdem bereits seit 1980 in den einschlägigen HiFi-Zeitschriften keine F-1-Werbung mehr zu finden war.

Konkurrenz zur Technics RS-1800 von Matsushita

Interessant ist, dass die Marke Technics (Matsushita) im Herbst 1977 mit einer in Details noch unfertigen RS-1800 (MK-I-Version) - offensichtlich überhastet - auf den Markt kam. Die Markteinführung erfolgte entgegen der sonstigen Gepflogenheit, nach der in jedem Jahr nur ein neues Modell präsentiert wurde, parallel mit der innovativen RS-1700 (Autoreverse-Version der RS-1506). Dies geschah vermutlich aus strategischen Gründen, z.B. um nicht TEAC mit der Neuentwicklung F-1 das gehobene Marktsegment allein zu überlassen.

Während die Technics RS-1800 verbessert und weiterentwickelt wurde (Einführung der MK-II im Jahr 1979), stellte TEAC bereits ab 1978 die komplette Programm-Palette um und teilte die Produktschiene in zwei unabhängige Segmente auf. Nach der F-1 wurde die TASCAM-Serie ausgebaut, die speziell für den Studiobereich entwickelte Modelle umfasste. Im Home-Bereich trieb TEAC den Trend zur Entwicklung kleinerer und kompakterer Bandmaschinen voran. Mit den Modellen X10R ab 1979 und später mit den ersten dbx-Geräten X-1000M und X-1000R mischte TEAC auch 1981 wieder neben REVOX und AKAI erfolgreich in der Verkaufsspitze mit.

Ende einer Goldenen Ära

Die hochklassigen letzten Heimgeräte der Serie X-2000M und X-2000R kamen dann 1984 aber schon deutlich zu spät. Die mittlerweile hochentwickelte Kassettentechnik, der sich auch längst alle führenden japanischen Tape-Deck-Hersteller widmeten, hatte zusammen mit der CD die herkömmliche Tonbandtechnik aus den Wohnzimmern verdrängt. Der Markt für klassische Analog-Tonbandgeräte war bereits eingebrochen und führte ab 1985 weltweit nur noch ein Schattendasein.

Verkauf nur in Japan

Zurück zur F-1: Diese erschien nur noch 1978 und 1979 in den Verkaufsprospekten und HiFi-Fachblättern. Die Geräte der 1. und einzigen Serie wurden sämtlichst nur in Japan zwischen 1978 und 1982 verkauft. Das Spitzenmarktsegment hatte TEAC mit der F-1 bedient. In der Folge wurden die Modelle im Homebereich verkleinert (analog bei DENON die DH-510 und bei OTARI die MX5050) und der Studiosektor fortan mit Neuentwicklungen gesondert bedient (TASCAM SERIES). Dagegen wurde die von Europas HiFi-Liebhabern meistgesuchte Technics RS-1800 in den Jahren 1978 bis 1984 allein in Japan mit fast 1.000 Stück nahezu doppelt so oft verkauft, wie die TEAC F-1. Hinzu kommen bei der Technics RS-1800 auch noch die Export-Modelle, die in die USA und nach Kanada (als 120V-Modelle) und nach Europa (umschaltbar auf 220/240V) noch bis weit in die 80er Jahre verkauft wurden.

Statistik und Weltmarktführerschaft

Diese in Europa bisher wenig bekannten Tatsachen sind durch die in Japan seinerzeit regelmäßig penibel und detailliert erhobenen Verkaufsstatistiken belegt. Kaum vorstellbar erscheint uns heute, dass die Japaner seinerzeit nicht nur die Stückzahlen der einzelnen Markenmodelle statistisch erfassten, sondern zusätzlich auch die persönlichen Daten der jeweiligen Käufer. Dazu zählten neben den Adressdaten auch das Alter und der Beruf. Diese Zahlen, die regelmäßig in den japanischen Fachzeitschriften, wie "STEREO SOUND" und "TAPE SOUND", veröffentlicht wurden, gaben den Herstellern wertvolle Aufschlüsse über die jeweiligen Zielgruppen und deren Vorlieben und Wünsche. Ein Aspekt, der wohl rückwirkend betrachtet, die rasante technische Entwicklung, die Innovations- und Modellvielfalt erklärt, die in den 70er und 80er Jahren eine Vielzahl japanischer HiFi-Marken auszeichnete, die in vielen Segmenten den Weltmarkt beherrschten.

Jugendtraum und Männerspielzeug

Unter Branchenkennern ist heute unstreitig, dass die seltene TEAC F-1 neben der Technics RS-1800 - ebenso wie die geheimnisumwitterte MARANTZ 7700-2, die 1978 der internationalen Fachpresse als Prototyp vorgestellt worden war, dann aber doch nie in Serie ging - zu den spektakulärsten Modellen der Bandmaschinengeschichte zählt.

Für die meisten der heute noch weltweit anzutreffenden Tonbandfreunde wird aber auch die TEAC F-1 wohl für immer ein Sammlertraum bleiben. Nicht mehr und nicht weniger. Denn der Traum von den legendären Spitzenmodellen von AKAI, TEAC, Technics und Co. gehört bei den bekennenden Liebhabern dieser wunderbaren technischen Männerspielzeuge meist schon seit ihrer Jugend dazu. Als sich der technikaffine HiFi-Fan weder als Auszubildender noch als Student eines der ebenso hochwertigen, wie hochpreisigen Markengeräte vom Taschengeld leisten konnte, die ihn mit magischer Anziehungskraft zu den Auslagen der Fachgeschäfte zog. Viele von ihnen haben sich inzwischen längst einen dieser großen Jugendträume erfüllt. Weil nunmehr Zeit und Mittel für dieses ganz besondere Hobby vorhanden sind, die damals zum Beginn der Berufskarriere fehlten. Eine mit zunehmenden Alter steigende Genussfähigkeit mag, ebenso wie die Lust zur Erinnerung an energiegeladene Jugendzeiten, ein Grund dafür sein, dass man heute neben der Renaissance der Vinyl-Schallplatte weltweit auch immer mehr Musikliebhaber mit wiedererwachter Leidenschaft für exklusive Bandmaschinen für den Home-Bereich findet. Aber auch junge Musiker haben längst die Vorteile der in den Studios nahezu ausgestorbenen analogen Magnetbandaufzeichnung für sich wiederentdeckt. Gern wird die digital produzierte Studio-Abmischung zusätzlich noch auf eine mehrspurige Bandmaschine überspielt, um so dem späteren Endprodukt noch etwas vom "warmen Analog-Sound" einzuhauchen, der den mit moderner Digitaltechnik erstellten Musikproduktionen in der Regel fehlt.

Highlight einer umfangreichen Sammlung

"Unsere aktuelle Maschine hat die Serien-Produktions-Nummer 010. Sie kam aus Kyoto und gehörte bis 03/2011 einem ehemaligen NISSAN-Entwicklungsingenieur. Wir freuen uns sehr, diesen seltenen 'Edelstein' unter den hochwertigen Bandmaschinen demnächst in unserer Ausstellung zeigen zu können. Von einem weiteren F-1-Modell in Europa ist uns bisher nichts bekannt." fügt Schwenzfeier noch stolz hinzu.
(WP/15.08.2011/zuletzt aktualisiert: 15.05.2020)

Anmerkung:
Mittlerweile sind nach 2011 noch weitere Geräte vom Modell F-1 aus Japan nach Europa gelangt. In den letzten Jahren sind drei mir persönlich bekannte Sammler, davon zwei in Deutschland und einer in England, glückliche Besitzer einer TEAC F-1 geworden. (WP/15.05.2020)

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